Gedanken zum Alleinsein

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März 2020 – kommt eine landesweite Ausgangssperre wegen der Corona-Krise oder nicht? Was passiert mit den vielen Menschen, die nicht in Familien, Beziehungen oder Wohngemeinschaften leben? Die dann die meiste Zeit mit sich alleine verbringen werden? Gedanken zum Alleinsein in einer außergewöhnlichen Zeit.

Alleinsein ist weder Strafe noch Schicksal – es kann sehr bewusst stattfinden. Ich würde eher von einer Chance sprechen – einer Chance auf Unabhängigkeit, Liebe und Wertschätzung gegenüber mir selbst. Viele Menschen können und wollen nicht alleine sein – sie brauchen andere um sich herum, sonst fühlen sie sich verloren. Die Vorteile des Alleinseins zu entdecken und zu nutzen ist Teil eines Lernprozesses. Wenn ich mich diesem Lernprozess entziehe, empfinde ich immer dann, wenn niemand bei mir ist, eine Art von unfreiwilligem Alleinsein: Einsamkeit.

Indem ich mir Zeit für mich selbst nehme, Momente nur mit mir selbst genieße und teile, vermeide ich Einsamkeit.

Als Kinder haben wir oft Zeit mit uns allein verbracht, stundenlang gespielt und uns mit irgendetwas beschäftigt. Wir haben niemanden gebraucht, der uns unterhalten und uns die Zeit vertrieben hat. Haben wir uns einsam gefühlt?

Wir waren uns selbst genug. Irgendwann kamen dann mehr und mehr Menschen in unser Leben, wir waren immer seltener allein.

Es ist anfänglich nicht einfach, Alleinsein wieder zu entdecken.

Insbesondere in längeren Liebesbeziehungen übertragen wir unbewusst die Erfüllung von Bedürfnissen an unsere Partner. So schön das Teilen von Gefühlen, gemeinsame Momente, Freude und Trauer sein mögen, so machen wir uns damit dennoch abhängig von der Präsenz eines oder mehrerer Menschen in unserem Leben. Deshalb tun Trennungen so weh, egal aus welchem Grund. Geht der geliebte Mensch, geht auch ein Teil von uns. Wir fühlen uns verletzt, unvollständig, „bluten“ emotional.

Mit der Zeit schließen sich die Wunden – wir spüren bis dato fehlende Wahrnehmungen und Gefühle wieder in uns selbst und können lernen, allein zu sein. Alleinsein ist dann einer der wichtigsten Übungen. Wenn wir es schaffen, die wertvollen Erkenntnisse des Alleinseins auch in neuen Beziehungen zu bewahren, werden wir zu wirklich reifen, selbstbewussten und stabilen Partnern.

Alleinsein hat nichts mit Egoismus zu tun.

Alleinsein ist die beste Ausgangsbasis für soziales Verhalten. Kann ich mich gut um mich selbst kümmern, so vermag ich auch gegenüber anderen Menschen Verantwortung, Aufmerksamkeit und Fürsorge an den Tag zu legen. Die Kraft für ein ausgeglichenes Leben steckt in mir.

Bin ich allein, habe ich die Chance, diese Kraft zu entwickeln und zu nutzen. Die Verbindung zu mir selbst kann einer der Schlüssel zum Glück werden.

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